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Konfliktfreie Erziehung, geht das?

Ich denke nicht, aber ich habe einen Weg gefunden, der die Anzahl der Konflikte mit unseren Kindern deutlich reduziert hat. Und das, ohne einfach nur nachzugeben. Den möchte ich in diesem Artikel mit euch teilen.

Die Idee dazu kam als ich mir überlegt habe, was mich selbst nervt und streitlustig macht: das passiert vor allem dann, wenn mir ein Neunmalkluger daherkommt und mir seine Thesen aufdrückt. Noch schlimmer, wenn diese Thesen nicht verhandelbar sind und Nachfragen meinerseits abgeschmettert werden.

Und was habe ich dann abends zuhause gemacht?

Alva war mit Ausschneiden beschäftigt, als sie plötzlich eine Idee hatte und losrannte, die Schere noch immer in der Hand. Ich habe sie aufgehalten und ihr (nicht unbedingt freundlich) “klar gemacht”, dass sie mit einer spitzen Schere in der Hand nicht in der Wohnung herumrennen soll. Auf die unvermeidbare Frage “warum denn nicht” kam mein “weil das gefährlich ist und ich es dir sage”. Und schon hatten wir einen Streit, der sicherlich nicht zielführend war.

Wenn wir uns das jetzt mal von außen ansehen, was ist da passiert?

Am Anfang stand für Alva eine tolle Idee. Diese wurde schroff unterbrochen. Das gefällt uns Erwachsenen nicht und unseren Kindern auch nicht. Daher war schon einmal nicht mit viel Geduld und Aufmerksamkeit zu rechnen. Dann wurde gemeckert. Das kann auch keiner leiden.

Und auf die Frage “warum denn nicht” (Selbsteinschätzung des Kindes war ‘ich kann das doch’) kam ein Machtwort statt einer überzeugenden Erklärung. Auch das gefällt keinem Erwachsenen, und Kindern noch viel weniger. Einfach mal an das letzte Gespräch dieser Art mit dem Chef zurückdenken, falls hier gerade ein ‘Aber’ hochkommt: den Kleinen gehts genau so und die müssen noch lernen, mit ihrem Frust umzugehen.

Der Konflikt war da und der darauf folgende Streit brachte keine Einsicht.

Geht das anders?

Ja, das geht.

Eigentlich wollte ich Alva ja vermitteln, dass sie sich verletzen kann, wenn sie mit der Schere durch die Wohnung rennt. Das ideale Ergebnis wäre doch gewesen, dass sie das einsieht und sich als eine Regel merkt, die in ihrem eigenen Interesse ist. Einsicht mit allen Mann auf Kampfstation ist aber verdammt schwierig.

Was wollte ich? Dass Alva zuhört.

Wann hören Kinder gerne zu? Wenn man ihnen eine Geschichte erzählt.

Also habe ich mich zu ihr ans Bett gesetzt und ihr eine Gutenachtgeschichte erzählt. Von ihrem Papa, der sich mit der Schere verletzt hatte, als er als kleiner Junge damit durch die Wohnung gerannt ist. Ich habe ihr auch erzählt, dass meine Eltern mir verboten hatten, mit der Schere in der Hand durch die Wohnung zu laufen und dass ich, genau wie sie, nicht hören wollte. Alva fand, dass ich ein kleiner dummer Junge gewesen bin, weil ich nicht auf meine Eltern hören wollte. Denn eigentlich hatten die ja recht.

Ich habe sie daraufhin gefragt, ob sie vielleicht lieber ein kleines schlaues Mädchen wäre, das auf seine Eltern hört. Und das hat sie. Und zwar nicht nur bei der Schere, sondern bei vielen anderen Alltagsgefahren, über die ich mit ihr auf die gleiche Art und Weise geredet habe.

Warum hat das funktioniert?

Es war eine entspannte Situation, ohne Streit und Konflikt. Es war eine Geschichte. Und es war eine Chance für sie, etwas besser zu machen als ihr Papa damals, als er ein kleiner Junge war.

Und als sie das nächste Mal mit der Schere in der Hand durch die Wohnung rennen wollte, genügte die Frage, ob sie gerade eine kleine schlaue Alva ist oder sich wie der kleine dumme Papa damals verhält. Sie hat kurz überlegt und gesagt “eine kleine schlaue Alva, die nicht die gleichen Dummheiten wie der kleine dumme Papa macht” und die Schere aus der Hand gelegt. Kein Konflikt, kein Geschrei, sondern ein Lob von mir, dass sie wirklich ein schlaues Mädchen ist.

Und es hat nicht lange gedauert, bis sie ihrer kleinen Schwester Mila das Gleiche beigebracht hat, auf die gleiche Art. Also hat sie es nicht nur verstanden, sondern kann es sogar weitergeben.

Erfolg auf ganzer Linie für den großen schlauen Papa und eine Sorge weniger 🙂

Was meint ihr dazu? Falls ihr Fragen habt oder eure Erfahrung schildern wollt, wie das mit euren eigenen Kindern klappt: schreibt es in die Kommentare. Ich freue mich darauf, von euch zu hören!

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